Bei Degus entscheidet die tägliche Fütterung maßgeblich darüber, ob Zähne, Verdauung und Stoffwechsel gesund bleiben. Ich zeige, welche Lebensmittel die Basis bilden, wie viel Trockenfutter sinnvoll ist, welches Frischfutter passt und warum Obst, Süßigkeiten sowie viele Fertigleckerlis im Napf nichts verloren haben.
Heu, zuckerarme Pflanzen und passende Pellets bilden die sichere Grundlage
- Heu muss ständig verfügbar sein und den größten Teil der Nahrung ausmachen.
- Getreidefreie Degu- oder Chinchillapellets werden kontrolliert und meist mit etwa 1 bis 2 Esslöffeln pro Tier und Tag angeboten.
- Blattgemüse, Kräuter und Blüten ergänzen den Speiseplan in kleinen, frischen Portionen.
- Obst, Trockenfrüchte, Honig und Zucker gehören wegen der Diabetesneigung nicht in die Deguernährung.
- Frisches Wasser steht jederzeit bereit und wird täglich erneuert.
Was fressen Degus im Alltag?
Die kurze Antwort lautet: vor allem Heu, Gräser, Kräuter und Blätter. In ihrer natürlichen Umgebung finden Degus eher karge, faserreiche Pflanzennahrung. Ihr Verdauungssystem ist deshalb nicht auf süße oder stark stärkehaltige Kost eingestellt.
Für mich ist eine einfache Regel besonders hilfreich: Alles, was wie ein süßer Snack für Menschen aussieht, sollte bei Degus kritisch geprüft werden. Dazu zählen nicht nur Schokolade oder Kekse, sondern auch viele bunte Futtermischungen, Müslis, Honigstangen und getrocknete Früchte.
Die Ernährung soll außerdem den natürlichen Zahnabrieb unterstützen. Die Schneidezähne wachsen ständig nach. Lange Fasern aus Heu und Zweigen sorgen dafür, dass die Tiere ausgiebig kauen und die Zähne gleichmäßig abnutzen.
Heu, Kräuter und Pellets als tragende Säulen
Heu bleibt das wichtigste Grundfutter
Gutes Wiesenheu oder Timothy-Heu steht rund um die Uhr zur Verfügung. Es sollte trocken, aromatisch, staubarm und frei von Schimmel sein. Ein muffiger Geruch, feuchte Stellen oder viele braune, zerfallene Halme sprechen gegen die Verwendung.
Ich biete lieber täglich frisches Heu an, statt eine große Menge tagelang im Gehege liegen zu lassen. Verschmutztes oder feuchtes Heu wird sofort entfernt. Eine Heuraufe ist praktisch, aber die Tiere sollten auch an mehreren Stellen im Gehege an die Nahrung gelangen können.
Trockenkräuter und Blüten bringen Abwechslung
Getrocknete Kräuter ergänzen die Rohfaser und bieten Beschäftigung. Geeignet sind zum Beispiel Löwenzahn, Wegerich, Brennnessel, Kamille, Ringelblumenblüten sowie Brombeer- und Himbeerblätter. Wichtig ist, nur ungespritzte Pflanzen von sicheren Standorten zu sammeln und sie vollständig trocknen zu lassen.
Frische Zweige von geeigneten Bäumen wie Hasel, Birke, Weide oder ungespritzten Obstbäumen werden ebenfalls gern benagt. Sie ersetzen das Heu nicht, helfen aber beim Beschäftigen und Kauen. Zweige aus der Nähe stark befahrener Straßen oder behandelter Gärten lasse ich grundsätzlich weg.
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Pellets richtig auswählen
Als Ergänzung passt ein zuckerarmes, möglichst getreidefreies Pelletfutter für Degus. Falls kein geeignetes Degu-Futter erhältlich ist, kann ein schlicht zusammengesetztes Chinchillafutter infrage kommen. Entscheidend ist die Zutatenliste, nicht allein die Abbildung auf der Verpackung.
| Darauf sollte die Zutatenliste hinweisen | Das sollte möglichst fehlen |
|---|---|
| Gräser, Kräuter, Blätter und ein hoher Rohfaseranteil | Melasse, Honig, Zucker und Sirup |
| Einheitliche Pellets ohne starke Auswahlmöglichkeit | Bunte Müslimischungen mit süßen Bestandteilen |
| Futter speziell für Degus oder passende Chinchillapellets | Getreidereiche Mischungen, Trockenobst und Schokostückchen |
Für ein gesundes erwachsenes Tier sind etwa 1 bis 2 Esslöffel Pellets pro Tag eine brauchbare Orientierung. Gewicht, Aktivität, Alter und Zusammensetzung des Futters spielen jedoch eine Rolle. Pellets sollen das Heu ergänzen, nicht den Napf so füllen, dass das Tier kaum noch Raufutter frisst.

Frischfutter sinnvoll auswählen und anbieten
Frisches Blattgemüse und Kräuter können ein- bis zweimal täglich in kleinen Portionen angeboten werden. Ich führe neue Sorten immer einzeln ein. So lässt sich leichter erkennen, ob ein Lebensmittel weichen Kot, Blähungen oder eine andere Unverträglichkeit auslöst.
Geeignete Beispiele sind Endivie, Feldsalat, Chicorée, Rucola, Gurke, Zucchini, Selleriegrün, Petersilie, Dill, Löwenzahn und Möhrengrün. Das Futter wird gründlich gewaschen, abgetrocknet und nicht direkt aus dem Kühlschrank verfüttert.
- Blattgemüse liefert Abwechslung und enthält meist weniger Zucker als süßes Gemüse.
- Kräuter eignen sich in kleinen Mengen als aromatische Ergänzung.
- Gurke und Zucchini bringen Feuchtigkeit, sollten aber keine großen Mengen des Speiseplans ausmachen.
- Möhrengrün und Kohlrabiblätter sind interessanter als die süßeren Knollen selbst.
Bei Möhren, Roter Bete, Kürbis und anderem süßerem Gemüse bin ich zurückhaltend. Kleine Mengen sind je nach individueller Verträglichkeit möglich, aber sie sollten keine tägliche Hauptzutat werden. Für die meisten Degus sind Kräuter und Blattgemüse die bessere Wahl.
Was nicht in den Napf gehört
Degus haben eine ausgeprägte Neigung zu Störungen des Zuckerstoffwechsels. Eine dauerhaft zuckerreiche Ernährung kann Diabetes und Übergewicht begünstigen. Deshalb bekommen sie bei mir kein Obst und keine Trockenfrüchte, auch nicht als angeblich gesundes Belohnungsfutter.
- Obst, Beeren, Rosinen und andere Trockenfrüchte
- Honigstangen, Joghurtdrops, Zuckerleckerlis und süße Knabbermischungen
- Brot, Kekse, Frühstücksmüsli und stark stärkehaltige Getreideprodukte
- Schokolade, Milchprodukte und gewürzte Speisen vom Tisch
- Zwiebeln, Knoblauch, Avocado und unbekannte Wildpflanzen
- Große Mengen Nüsse und Sonnenblumenkerne wegen ihres hohen Fettgehalts
Ein häufiger Fehler ist die bunte Futtermischung. Sie sieht abwechslungsreich aus, verleitet aber zum Selektieren. Der Degu frisst dann oft zuerst die energiereichen Stücke und lässt die faserreichen Bestandteile liegen. Ein schlichtes, einheitliches Pelletfutter ist in diesem Fall meist die bessere Lösung.
Auch der Wechsel auf ein neues Futter sollte nicht abrupt erfolgen. Ich mische die neue Sorte über 7 bis 14 Tage schrittweise unter das bisherige Futter. Bei Durchfall, deutlicher Fressunlust oder aufgeblähtem Bauch wird die Umstellung abgebrochen und tierärztlicher Rat eingeholt.
Ein einfacher Fütterungsplan für den Alltag
Ein fester Rhythmus erleichtert die Kontrolle und verhindert, dass einzelne Tiere in einer Gruppe zu kurz kommen. Bei mehreren Degus stelle ich deshalb mehrere Futterstellen bereit und prüfe gelegentlich, ob jedes Tier tatsächlich Heu und Pellets aufnimmt.
| Futter | Häufigkeit | Praktische Orientierung |
|---|---|---|
| Heu | ständig | Großzügig anbieten und täglich auf Sauberkeit prüfen |
| Pellets | täglich | Etwa 1 bis 2 Esslöffel pro erwachsenem Tier, je nach Futter und Körperzustand |
| Frische Kräuter und Blätter | täglich oder mehrmals pro Woche | Kleine Portionen, neue Sorten langsam einführen |
| Geeignete Zweige | regelmäßig | Ungespritzt, sauber und frei von Straßenstaub |
| Wasser | ständig | Täglich frisch, Trinkgefäß auf Funktion und Sauberkeit prüfen |
Die Mengen müssen zum Tier passen. Nimmt ein Degu sichtbar zu, bleiben Pellets liegen oder wird ausschließlich Frischfutter gefressen, lohnt sich eine Anpassung. Das Körpergewicht sollte regelmäßig kontrolliert werden, besonders nach einer Futterumstellung oder bei älteren Tieren.
Diese Warnzeichen gehören in tierärztliche Hände
Futterfragen lassen sich nicht immer allein über die Auswahl im Napf lösen. Frisst ein Degu deutlich weniger, speichelt er, lässt Futter fallen oder kaut auffällig langsam, können Zahnprobleme dahinterstecken. Auch ausbleibender Kot, starker Durchfall oder ein aufgeblähter Bauch sind keine Bagatellen.
Besonders ernst nehme ich starken Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust und trübe Augen. Diese Anzeichen können unter anderem auf eine Stoffwechselerkrankung hindeuten. Bei kompletter Futterverweigerung sollte nicht bis zum nächsten Tag abgewartet werden, weil die Verdauung kleiner Pflanzenfresser schnell aus dem Gleichgewicht geraten kann.
Am sinnvollsten ist eine Tierarztpraxis mit Erfahrung in der Behandlung von Kleinsäugern. Eine gute Fütterung senkt viele Risiken, ersetzt aber keine Untersuchung, wenn sich das Verhalten oder der Gesundheitszustand plötzlich verändert.
Die Futterregel, die sich im Degu-Gehege bewährt
Wer sich unsicher ist, kann mit einer sehr einfachen Grundstruktur starten: Heu frei verfügbar, zuckerarme Pellets abgemessen, Kräuter und Blattgemüse in kleinen Portionen, Wasser täglich frisch. Alles Süße und stark Verarbeitete bleibt außen vor.
Damit ist der Speiseplan nicht langweilig, sondern nah an dem, worauf der empfindliche Stoffwechsel dieser Tiere ausgelegt ist. Ich würde lieber wenige sichere Futtersorten konsequent anbieten als ständig neue Leckereien ausprobieren, denn bei Degus macht gerade diese unspektakuläre Beständigkeit langfristig den größten Unterschied.